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Leipzig 1918-1923


November 1918 – Soldaten und Matrosen im Heimaturlaub weigern sich, zurück an die Front zu fahren. Sie ziehen vom Hauptbahnhof nach Connewitz, um dort stationierte Soldaten zu entwaffnen und für ihre Sache zu gewinnen. Im Volkshaus wird der erste Soldatenrat gewählt und es kommt zu Massendemonstrationen. Die Leipziger Volkszeitung titelt: „Ausbreitung der Weltrevolution.“

Januar 1919 – Gründung der ersten sächsischen KPD-Ortsgruppe in den „Coburger Bierhallen“ am Brühl mit viel Zulauf.

Januar 1919 – Als einem Militärtransport die Durchfahrt nach Berlin verwehrt wird, kommt es zwischen Arbeiter- und Soldatenrat und Reichswehrtruppen am Bahnhof Leipzig-Leutzsch zu einem heftigen Schusswechsel, bei dem vier Soldaten und zwei Aufständische sterben. Die Truppen werden daraufhin entwaffnet und die Leipziger Räterepublik hat ihre ersten revolutionären Märtyrer.

Februar/März 1919 – Leipziger Arbeiter*innen beteiligen sich am mitteldeutschen Generalstreik für die Vergesellschaftung von Betrieben. Gegenstreik durch Bürger*innen und städtische Beamt*innen. Der Arbeiter- und Soldatenrat erpresst fast 400.000 Reichsmark vom Oberbürgermeister für die Streikkasse.

Mai 1919 – Machtkampf zwischen bürgerlichem Stadtrat und Leipziger Arbeiter- und Soldatenrat. Der Konflikt zwischen Dresdner Regierung und dem räteverwalteten Leipzig spitzt sich zu. Ausrufung des Belagerungszustands für ganz Sachsen. Freikorpstruppen marschieren in Leipzig ein und erzwingen die Kapitulation der Revolutionäre.

November 1919 – Die Stadt übernimmt die zuvor fusionierte Straßenbahn als kommunalen Betrieb. Zwei Jahre später wird auch der Zoologische Garten in städtischen Besitz überführt.

1919 – An den sächsischen Volksschulen wird der Religionsunterricht ersetzt mit dem Fach „Lebenskunde“.

März 1920 – Kapp-Putsch: Deutschlandweit unternehmen Generäle der Reichswehr einen konterrevolutionären Putschversuch. Unterstützt werden sie von Freikorps, Einwohnerwehren und Zeitfreiwilligenregimentern aus Studenten. Der Putsch kann auch in Leipzig durch entschiedene Straßenkämpfe und einen Generalstreik aufgehalten werden. Trotz dessen kapituliert Richard Lipinski, zu dieser Zeit Vorsitzender der Leipziger USPD, eigenmächtig und ohne das Wissen der kämpfenden Arbeiter*innen vor der Reichswehr. So macht er den Revolutionsgegnern den Weg frei für die spätere Bekämpfung der Aufstände im Ruhrgebiet und im Vogtland. Das Resultat des Kapp-Putsches in Leipzig sind 150 Tote und ein völlig zerstörtes Volkshaus.

März 1921 – Hauptsächlich außerparlamentarische linksradikale Kräfte versuchen während der Märzkämpfe in Mitteldeutschland einen bewaffneten Aufstand, der jedoch scheitert.

Juli 1922 – Das 1. Arbeiter Turn- und Sportfest findet in Leipzig mit 100.000 Teilnehmer*innen statt.

1923 – Die Inflation treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe. Kostet das Brot im März bereits 360 Mark, so sind es im Herbst ganze 11 Millionen. Immer wieder kommt es in Leipzig zu Hungerunruhen und Plünderungen, die von der Polizei brutal beendet werden.

März 1923 – Der 1913 fertiggestellte Flughafen Leipzig-Mockau wird nach umfassender Modernisierung durch den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert als „Weltflughafen“ wiedereröffnet.

Oktober 1923 – In Sachsen kommt es mit dem „Deutschen Oktober“ zum letzten kommunistischen Umsturzversuch der Weimarer Republik. Die Reichswehr rückt in Leipzig ein und die sächsische Koalition aus SPD und KPD wird durch die Reichsregierung abgesetzt.